Namibia Zickzack I – Wüste mit Passzwang!

November 25, 2017

 

Wie ich in Windhoek lande, werde ich erstmal zünftig von den Hereros empfangen. Die sind zwar nicht wegen mir da, sondern warten auf ihre Deligation die in Berlin zu Gesprächen wegen Reperatur-Zahlungen waren, bieten aber gleich einen guten Einstieg in die deutsche Geschichte in Namibia. Es ist zwar sehr interessant und wichtig sich damit auseinander zu setzen, aber nicht das Thema meiner Reise. Meine Themen sind wohl eher Wüsten und Berge ;-) Und da kann Namibia echt was bieten! Das Land ist rund doppelt so groß wie Deutschland und 16% davon sind hyperarid, also weniger als 100mm Jahresniederschlag. Ursache für dieses Klima sind die Hochdruckzone am 30sten Breitengrad und der kalte Benguelastrom. Mein Ziel ist die Namib, die älteste Wüste auf unserem Planeten. Nur zwei Flüsse führen in Namibia ganzjährig Wasser, der Grenzfluss zu Angola im Norden und der Orange im Süden an der Grenze zu Süd Afrika. Die Sedimente des Oranges füttern übrigens die Namib mit Sand, weil die Meeresströmung und der Wind ihn nach Norden tragen. In den trockensten Teilen an der Küste hat es etwas 20mm Niederschlag bei 3500mm potentieller Verdunstung im Jahr. Im Osten zieht die Randstufe bei 1000 hm auch die 100mm niederschlags Grenze von hyperarid zu arid. Das kann was - Wüste und Berge!

 

Nach etwas Temperatur-Akklimatisation im Backpackers Hostel mit Pool und den nötigen Besorgungen machen ich mich auf den Weg zum Strand in Swakopmund. Windhoek liegt auf 1700 Meter, was erstmal gut klingt wenn's 370 km in Richtung Meer geht, doch ich werde gute 3000 hm in dem hügeligem Auf und Ab sammeln. Ich begebe mich auf die Spuren des Desert Dash, ein 24 Stunden MTB Rennen von Windhoek nach Swakopmund. Es geht die C26 raus und erstmal über den Kupferberg Pass mit 2072 Meter mein höchster Pass in Namibia. Hier bedeutet “Pass” aber eher einen befahrbaren Auf- / Abstieg an der Randstufe. Dann Folge ich der D1982 zum Us Hoogte Pass. Wasserfassen an den zuvor auf Google Earth gesuchten Farmen funktioniert und ich treffe einige Radler, die fleißig für's Desert Dash trainieren. Die Landschaft und die Dornen lassen Erinnerung ans Outback aufkommende. Nur solche Drops wie die Randstufe hatte es da nicht. Einfach wunderschön - Hallo Namib, ich komme!

Das zweite Wasserfassen wurde etwas spannend! Ich rechne mit der Gästefarm Niedersachsen, doch diese ist verschlossen und mit Elektrozaun gesichert. So reite ich noch 20km weiter in den Sonnenuntergang bis zur Khomas Safari Farm wo aber auch kein Mensch ist. Hier haue ich aber Annie über die kleine Mauer. Wie ich jedoch am nächsten Morgen Wasser für zwei Tage fassen möchte, ist nach 11 Litern Schluss und es kommt kein Tropfen mehr aus der Leitung. Was soll's, so bin ich eben leichter und schneller ;-) Ich verlasse die D1982 nach Norden gen Tinkas Flats im Namib Naukluft Nationalpark. Mein Tagesziel ist die Blutkuppe. Was für ein Ort um seinen 40sten Geburtstag zu begehen!? Kein Mensch weit und breit der mir gratuliert oder besser, sein Beileid bekundet. Und auch kein Netz und somit auch keiner der mich anruft oder elektronische Post sendet. Ich checke noch den Horizont nach Rauchzeichen, nix! So alleine hab ich noch keinen 40er gefeiert ;-) Nur ich, meine Holde "Annie" und dieser urig rote Felsbrocken, der zu Sonnenunter- und Aufgang seinem Namen alle Ehre macht - herrlich! Am nächsten Morgen sind's noch 112km bis Swakop mit 3 Liter Wasser bei Gegenwind und ich starte noch in einen kurzen 4x4 Track. Doch dann kommt ab dem Abzweig Langer Heinrich schon Asphalt und 50km vor Swakop hat's einen Wassertank. Ich stille meinen Durst und  kämpfe mich weiter gegen den Wind in Richtung Meer. Swakop begrüßt einen nicht wirklich, wenn man mit Radl daher kommt. Um so schöner war dann der Sonnenuntergang am Jetty!

 

 

 

 

 

Geburtstags-Dinner nachholen! Gulaschsuppe, Hecht und Torte - lecker und nicht selbst gemacht! Swakop ist beschaulich und ich check noch beim lokal Bike Dealer vorbei auf einen Plausch - es hat ja nicht so viele Fahrrad Läden in Namibia. Zeltplatz ist schön und Zeltnachbarn sind nett und Wetter angenehm kühl. Ich bleibe noch einen Tag länger bevor ich mich auf die meist befahrbarene Küstenstraße in Namibia wage. Ist aber nur halb so schlimm, wenn man sich mit neuem dicken Reifen neben dem Asphalt bewegt. In Walvies Bay hat's dann im Morgengrauen ein Gewitterguss vom feinsten und das obwohl ich die Regensachen und Warmes schon im Päckchen für die Post hatte. Die Fischer reden gar vom verfrühten Beginn der Regenzeit. Egal, ich bringe das Päckchen zur Post und beschließe, nix da Regen- Kälte. Zumindest nicht so nass wie Fjordland in Neuseeland oder kalt-kalt Altiplano ;-)

 

 

 

 

 

 

So geht's es auf gen Gobabeb, ein Wüsten-Forschungszentrum in der Namib. Ich fahre die D1983 entlang des Kuiseb. Faszinierende Landschaft! Links Steinwüste, rechts das grüne Band vom Trockenfluss und dahinter die riesigen Sanddünen. Diese versperren dem Kuiseb auch den Weg ins Meer und nur in den Jahren 2000, 1963 und 1934 gelang ihm der Durchbruch bis zur Mündung, sonst versickert er auf dem Weg dahin. Entlang des Flusses hat es immer wieder Hütten und es wird deutlich, welche Lebensader dieser Trockenfluss in der dünn besiedelten Namib darstellt. In Gobabeb fasse ich neben 20 Liter Grundwasser aus 13 Meter Tiefe Umkehrosmose gefiltert noch reichlich interessante Stories ab. Nicht nur, dass von den 25 mm “Niederschlag” im Jahr ca. ⅔ aus dem Küstennebel kommen, nein, die NASA forscht hier auch zu analogen Dünenformationen am Mars und hyperariden Überlebensstrategien zur Adaption für Weltraum Missionen. Obendrein hat das Forschungszentrum auch noch ein Team beim Desert Dash 24h- MTB Rennen am Start… Ein sehr interessanter Ort und lädt eigentlich zum Übernachten ein. Doch mich zieht es nach Mirabib, einen runden Felsbrocken mitten in der Kieswüste - fantastisches Lichtspiele in den Goldenen Stunden.

 

Am nächsten Morgen überquere ich, wie schon so oft auf dieser Reise, “Tropic of Capricorn” und es geht weiter in den Kuiseb Pass hinein. In den letzten Tagen hatte es am späten Nachmittag immer Wetterleuchten am Gamsberg. Tolles Naturschauspiel aus der Ferne aber nun sitze ich an der Kreuzung C14 zur C26 und bin mir der Blitze nicht sicher. Es ist für mich schwer einzuschätzen, wo das Gewitter an der Randstufe hängt, zumal es schon einige vorausgehende Windhosen hatte. Die Vernunft sagt, fahr nach Süden C14 mit Sonnenschein. Der Passzwang ruft laut Gamsberg! Wie mir nach etwas Situation aussitzen ein Auto entgegen kommt und mir die Wetterlage am Pass schildert, fahre ich doch in Richtung Superzell. Mit der Schlagzeile “Blitz gegrillter Radler in der Wüste ertrunken” vor Augen, such ich Unterschlupf auf der Pferdefarm Berghof und bestaune beim Abendessen das Farbenspiel der Naturgewalten. Am nächsten Morgen geht es bei blauem Himmel den Gamsberg Pass hinauf und ich campiere auf Weissenfels. Bei einem kühlem Bierchen plaudern wir über Wetter, Farm und Pferde und natürlich auch über MDR Biwak, von wo ich den Tip zu diesem lauschigen Plätzchen hatte.