Canning Stock Route - Teil 3

September 3, 2016

Wie ich Well 33 verlasse, habe ich schon 1165km mit Annie in diesem Sandkasten verbracht und es geht weiter nach Norden in die Great Sandy Desert :-) Die ersten Kilometer sind nochmal die Hölle von Waschbrettpiste mit weichem Sand und ich muss sogar das erste mal in der Ebene ein paar hundert Meter schieben. Ich finde noch am Weg einen Falteimer wo ich nicht widerstehen kann, ihn mitzunehmen. Zum Glück fangen ab Well 35 wieder die Dünen an und die Achterbahnfahrt geht weiter. Am Well 36 ist das Wasser in 2 Meter Tiefe und opp's, ich brauch den Falteimer! Geht einfach besser und schneller als eine Flasche am Seil und ich angle mir mein Wasser. Dann kommt wieder mal die Outback Spirit Karavane vorbei, welche ich im Süden schon einmal getroffen habe. Die fahren die Touris die CSR auf und ab und sind voll in Ordnung nur deren Touristen stellen immer wieder viele gleiche Fragen:

 

Wie viel Kilometer am Tag? -> Ist abhängig vom Tempolimit ;-)

Wie schwer? -> Viel zu schwer!

Wie viel Wasser? -> Den ganzen letzten Brunnen, deshalb ist er jetzt trocken!

Warum mit Rad? -> Warum nicht?

Ist das wirklich Bambus? -> Yes!!!

Kann ich ein Foto Machen? -> Yes, ein Foto ein Dollar! Oder ein kaltes Bier ;-)

Prost ... !

Nein, die Outback Spirit Karawane bezahlt immer mit Obst und so waren es nur noch 93% autark :-)

 

Einen der Reiseführer kenne ich von vor 3 Jahren, als ich in der Adelaide Bike Kitchen einen Bambus Road Train gebaut hatte und dann damit nach Tassie bin. "Kleine Welt" sag ich immer. Nach dem Trubel, habe ich zum Glück wieder meine Ruhe und kann in den Track, die Natur und natuerlich wieder in den Sand eintauchen. Kurz vor Wasserloch Well 38 überholen mich 2 4WD und meinen ich wäre an den Camps und am Funk schon eine Legende der CSR und sie wollen Fotos mit mir machen. Sage wie gewohnt: "Ein Foto, ein Dollar! oder ein kaltes Bier!" Wir schauen beide auf die Uhr und legen fest, dass heut 11 Uhr schon Beer-o'clock ist und prosten ein paar Fotos :-) So geht es nach ein paar Nüssen und Schokoriegel gut erfrischt weiter und es waren nur noch 92% autark :-) Beim Wasserfassen im Wasserloch bei Well 38 gebe ich das erste mal Tabletten in das Wasser. Besser ist! Durchfall brauchst du da draussen echt nicht ;-) Apropos da draussen ist so viel Platz und doch müssen die Dingos ihre Haufen immer in meine Spur legen!!!

Von dort geht es zum Lake Tobin. Der Track ist  arg von einem Kamel zertrampelt und ich habe echte Probleme die Dünen herunter zu fahren. Und ich kann das erste und einzigste mal eine der kleinen Echsen fotografieren, die mich fast die gesamte CSR begleiten. Sie springen irgenwie unter dem Radl hervor und rennen vor mir wie die Kapputten den Track entlang, bis sie mit einem blitzschnellen 90-Grad-Haken im Spinnefix verschwinden. Das sind echt lustige Gesellen :-) Lake Tobin hat es neben 38 Grad im Schatten auch wieder diese riesigen Termiten- oder Ameisenfelsbrocken.

 

Nach dem Lake Tobin zeigt sich die Great Sandy Desert von einer ihrer schönsten Seite. Viel Sand und wenig Vegetation :-) Der Track ist wie so oft "soft corrugated" und wenn nicht, sehe ich wie schon oft Dingospuren links und Kamelspuren rechts. Das war echt so oft genau so zu sehen. Ich muss da immer an Tigger und Eeyore von Winnie the Pooh denken :-) Ich fahre viel querfeldein in den Duenentaelern und finde dort auch Martins Spuren und ich fahre sogar teils querfeldein über die Dünen. Unglaublich die Traktion der Knard! Aber eigentlich meide ich das offene Gelände wegen der Tiere, die sich in den Pflanzen verstecken und wegen Holz, welches die Reifen zersticht. Da die Abfahrten von den Dünen am Track schneller sind (bis zu 38km/h) und ich den Schwung meist lange in die Ebene mitnehmen kann, nehme ich dort immer den Track. Und so kommt es zum unfassbaren!!! Ich bretter mit weit über 30 km/h volle Wäsche über einen Taipan :-) der mitten im Track liegt! Erstmal nichts passiert und so gehe ich zurük und mache lustig Fotos :-), setze mich auf Annie und reite weiter in den Sonnenuntergang. Jetzt hatte ich mir vor 3 Tagen etwas die Fessel bei einem Sturz gerissen und als das Adrenalin vom Taipanschreck verfliegt, kommt der Schmerz im Fussgelenk wieder und ich denk: "Opps, vielleicht hat mich der Taipan doch gebissen?" Anhalten und nachschauen. Jetzt hab ich da zwei Muttermale die ich mir aber zuvor noch nie so angeschaut habe. So identifiziere ich sie im ersten Moment eindeutig als Biss! Foto machen und rein zoomen läßt bei dem Licht auch nichts besseres erkennen. Okay eine halbe Stunde ist vergangen seit der Taipan-Überfahrt. Intoxikationszeit ist 45 Minuten!? Ich setze mich hin und nehme einen beherzten Schluck vom Whisky, rauche eine Zigarette und warte ab. Doch ich stelle nach einer Weile fest, SNAFU :-) Situation Normal All F..cked Up :-) Der hat mich nicht gebissen! Ich baue an Ort und Stelle mein Zelt auf und geh den Abend nicht mehr vor die Tür! Gekocht wird im Zelt ;-) Am nächsten Morgen war das Erwachen ein besonderes, Augen auf und "Ich lebe noch!" :-) Somit war aber von da ab, die Entscheidung ob im Track oder neben Track fahren noch schwieriger.

 

 

Ich rolle gemütlich am Track die 11 km bis Well 41. Das ist das letzte Wasser für das wohl schwierigste Stück der CSR. 180 km und mitten in der Great Sandy Desert mit ihren großen Dünen und die Temperaturen sind deutlich höher als im Süden. Wie ich den Deckel vom Brunnen öffne, hole ich erstmal 3 tote Vögel heraus :-( Okay alles abkochen! Ich gehe in den Busch und ernte erstmal ein Dutzend Bäume und mach 3 Haufen zu je Zweige, Äste und Stämme. Schau mir das ganze an und muss über mich selber Lachen: Schöne deutsche Ordnung :-) Ich bau mir noch eine dazu passende Wasserabkoch-Produktionslinie auf und Koche 37 Liter Wasser mit einem 1.2 Liter Topf in 15 Stunden . Zwischendurch gibt's Mittag- und Abendessen und als Nachtisch Whisky mit Schoki und ich stopfe mal wieder meine Schuhe :-) Kurz nach Mitternacht unterbreche ich das ganze und lege mich bis 6 Uhr auf's Ohr. Bei Abreise am nächsten Mittag, sind von den 37 Liter 32 an Annie verstaut. Den Rest hatte ich in der Zwischenzeit getrunken oder verkocht. So beladen kann ich wieder nicht die magische Schallmauer durchbrechen und klebe regelrecht im Sand. Obendrein ist der Track auch noch voll zerwühlt. Ich komme an dem Nachmittag nur sagenhafte 20 km weit. Aber immerhin, so sind es nur noch 160 km bis zum nächsten Wasserstelle ;-) Den nächsten Morgen, fahre ich jedoch nicht mal bis zur nächsten Düne, da ich es aus der Vordertasche tropfen sehe!? Die orginale Dichtung hat sich aufgelöst. Zum Glück hatte ich schon in Adelaide einige neue Dichtungen aus alten Fahrradschläuchen zurecht geschnitten ;-) Keine 3 km weiter kommt mir ein Truck entgegen und wir plaudern. Wie ich die Geschichte mit der Dichtung erzähle, bietet er mir Wasser an und ich denke daran, wie mich Angela in Durba in's Gebet genommen hatte und ich ersetze dankbar das verlorene Wasser. Doch ich hab noch keine 10 Tageskilometer auf der Uhr, meldet sich der vordere Gepäckträger mit Geräuschen, die mir schon bekannt waren und ich suche mir einen schattigen Baum, um die andere Seite vom Gepäckträger auch mit Draht fest zu rödeln. Ich hab das Werkzeug gerade so verstaut, kommt eine 4er Gruppe an und stellt wieder wilde Fragen. Sie bezahlen die Antworten mit Pudding und Kuchen - das war neu :-) Die sind aber noch nicht weg, kommt die Outback Spirit Karawane daher und ich verursache einen Stau auf der CSR von 9 Trucks. War wohl "rush hour", weil alle am Heimweg!? :-) Wie der ganze Spuk vorbei ist, ist es 13 Uhr und ich hab gerade mal 10 km geschafft und es sind auch nur noch 91 % autark. Und das ganze auf solch einem schwierigen Stück der CSR!? Ich schaffe, dank eines etwas kleineren schnelleren Stücks am Lake Guli, noch sagenhafte 49 Tageskilometer (musste nur etwas Luft aufpumpen). Und es sind nur noch 110 km bis zum nächsten Wasser.

 

 

 

 

Der nächste Vormittag rollt gut und ich ziehe meine Spuren neben dem Track und sehe das erste mal eine größere Echse - schöne Tiere! 12 Uhr erreiche ich dann wohl die größte Herrausvorderung der CSR ;-) Es geht 21 km gerade aus nach Norden und 90 Grad über die grössten Dünen der CSR. Das ist der Hammer!!! Da hat's auf den 21 km 56 Dünen mit kumuliert rund 400 hm und dazwischen die Hölle von Corrugation!!! Ich kämpfe mich in rasanten 5 Stunden da durch :-) Auf halber Strecke, kommt mir eine Gruppe 4WD-ler entgegen. Die Nette Frau fragt mich, ob ich Wasser oder eine Orange mag. Ich sag nein Danke! Wasser habe ich ausreichend und Orange hatte ich eine zum Frühstück. Sie entgegnet, aber bestimmt keine eisgekühlte Orange! Ich antworte, das stimmt! Wie ihr Mann die Orange aus der Kühlbox holt, drückt er mir noch eine Tafel Schoki und eine Flasche Sodawasser in die Hand. Wir plaudern nett und ich konsumiere alles an Ort und Stelle und produziere noch Dünen später Orangen- Schoki- Ruelpse :-) Bei Einbruch der Dämmerung habe ich diesen Wahnsinn von Sandkasten durchquert, jedoch mein Tagesziel noch nicht erreicht. 3 km kann ich noch fahren, dann wird es mir zu dunkel und ich schiebe zum Well 44. Wer sein Radl liebt, der schiebt! Herrlicher Vollmond und keinen Dünenspielstand zählen - ich genieße diesen 7 km Spaziergang in der Wüste und höre etwas Musik dabei :-) Am Well 44 angekommen, verschnaufe ich und drehe eine Zigarette, bis ich aus der Ferne wildes Glucksen und Gurgeln vernehme!? Opp's! Da ist wohl ein Kamelbulle nicht mit meiner Musikauswahl einverstanden und ich mache sofort aus. Da sehe ich schon seine Siluette im Vollmondschein geradewegs auf mich zustampfen. Was tun? Lärm? Ich schlage auf die Bleche vom zerfallenen Brunne! Hält ihn nicht ab! Er ist schon fast auf 10 m ran, da kommt mir die zündende Idee! Spinnefix ;-) Der erste Quadratmeter brennt mit 2 Meter hoher Flamme und der Bulle stoppt! Wie 10 Meter brennen, weichte er und ergreift die Flucht :-) - Ich schreie ihm laut hinterher: "Ja! Ich bin ein Mensch und habe die Macht des Feuers!!! Weiche, weiche, du wildes Tier!!!" Gut erschöpft setze ich mich nieder und will mir die Zigarette anzünden - Feuerzeug alle - das war knapp!!!  Was für ein Tag?! 

 

 

Ich finde übrigens, die Ameisen (neben den Fliegen) sind die gefärlichsten Tiere da draußen und auf der ganzen Welt! Die krabbeln überall hin! Wenn du dich zum Ausruhen kurz hinsetzt, nimmst du sofort ein paar davon an Bord und erst Minuten später wieder am Rad, machen sie sich an den unmöglichsten Stellen bemerkbar und du gehst nur mit Haaresbreite an einem schweren Sturz vorbei!!! So habe ich schnell gelernt, Ruhe- und Nachtlagerplätze auszusuchen aber die sind einfach überall :-)

 

Es geht weiter durch den Sandkasten und hat nochmal ein kurzes, schnelles Stück am Lake Gravity und über etwas Waschbrett geht's zum trockenen Well 45, wo ich Mittagspause mache. Mittlerweile ist der hintere Reifen dem Sterbebett nahe, doch es sind noch 25 km bis zum nächsten Wasser am Well 46. Und die 25 km wechseln sich Sand und Steine ab. Das ist das schlimmste für die Reifen. Viel Luft lässt dich im Sand stecken bleiben aber mit der wenigen Luft über diese Steine und der schon extrem gequälten Seitenwand, kommt es einer Exekution gleich. Der Arme blutet schon an drei Stellen Latexmilch durch die bis zu 5 mm gerissene Karkasse und mit auf die Seite legen und somit dichten ist nicht mehr viel machbar :-( Gleich tauschen und mit Schäuchen weiter, dauert 20 Minuten. Auf die Seiten legen, beten das es dichtet und aufpumpen dauert Jedesmal nur 1 Minute. Ich entscheide mich für letzteres und pumpe alle 3-5 km, wobei es ein paar mal die volle Sauerei beim Aufpumpen macht :-) und ich mich frage, wieviel Milch da noch raus kommt!? Sollte eigentlich schon längst keine mehr drin sein, so wie der Reifen schon seit Tagen blutet. Die muss sich da drin von allein vermehrt haben ;-) So erreiche ich Well 46 noch vor 17 Uhr und schau mir später mit einem Wasserbauch den traumhaften Mondaufgang an :-) Das wohl schwerste Stück ist geschafft! Und morgen Ruhetag mit schon längst erwarteten Reifenwechsel.