Canning Stock Route - Teil 1

September 1, 2016

Was soll ich sagen? Ich bin sprachlos! Ich bin mit Annie durch die Canning durch!!! Unglaublich und ich hatte es bis zum Schluss gehofft aber es nicht wirklich für möglich gehalten es zu schaffen :-)

 

Der Knaller daran ist, dass ich es mit Surly Knard 26" x 3.0" Reifen auf 50mm breiter Felge Surly Rabbit Hole Felge bewältigt habe. Bis dato ist mir nicht bekannt, dass Jemensch mit solch "kleinen" Reifen autark und selbstversorgend so da durch ist. Okay, 90% autark, ich habe Naturalien und Gesellschaft dankend angenommen. Aber dazu später mehr. Bis dato sind meines Wissens alle, die die Canning Stock Route (CSR) autark bestritten haben mit 26" x 3.7" - 4.8" auf 80-100mm Reifen/Felgen und meist mit Einspuranhänger diese angegangen. Das ist ein deutlicher Unterschied in der Aufstandsfläche im sandigen und schlammigen Gelände. Aber mal der Reihe nach!

 

Am 23.07.2016 gegen 14 Uhr starte ich in Wiluna. Ich trage mich bei der Polizei für die CSR ein und kurz vor der Angst, biege ich nochmal zum Supermarkt ab und stocke meine Essensvorräte von 33 auf 36 Tage auf.

 

Bei meinen Vorräten reden wir von Dimensionen wie 9 kg Spagettie 4.5 kg getrocknete Erbsen-, Linsen-, Bohnen- Mix, 2.5 kg Salami, 2 Liter Oil, 1.5 kg Milchpulver und 0.5 kg Parmesan allein für's Abendessen. Morgens und tagsüber gibt's 7 kg Reis, 2 kg Trockenfrüchte, 2.5 kg Cocosraspel, 1 kg Silvered Almonds Nüsse, 2.5 kg Honig, 3 kg Müsli. Getränke werden aus 0.75 kg Instant-Café, 0.75 kg Milo (Cacao Malz Getränkepulver), 0.75 kg isotonisches Getränkepulver und 100 Beutel Schwarztee zubereitet. Für besondere Anlässe sind noch 0.4 kg Bitterschokolade (85% Cacao), 0.4 kg getrocknete Bananen Chips und eine kleine Flasche Whisky an Bord. Das sind rund 42 kg (ohne Verpackung) an Fressalien :-) Und das mit einer Wasser Ladekapazität von bis zu 32 Liter, wobei ich die ersten 2 Wochen unter 20 Liter Wasser-Beladung bleibe. An Ausüstung kommt mit Zelt, Schlafsack, Isomatten, Klamotten, Werkzeug, Ersatzreifen und -schläuche, Cameras und Musik geschaetzte 15-17 kg dazu. Das sind dann mit Rad ca. 100kg, die ich zu meinem eigenen Körpergewicht mit bewegen muss.

 

So rollen fast 160 kg gen Norden Richtung Halls Creek :-) Die Strategie von Süd nach Nord zu fahren kommt daher, dass im Süden der Track steiniger also weniger sandig ist  als würde man die CSR von Norden aus angehen. Es gilt also, so viel wie möglich zu essen bevor der Sand und die großen Dünen beginnen! Ich sage mir: "Was du auf der Hüfte hast, musst du nicht am Fahrrad die Dünen rauf schieben ;-)" Noch vor einer Woche gab es starken Regen, doch der Track ist gut befahrbar. Ich komme trotz der Beladung mit Annie gut zurecht und zügig vorwärts.

 

Erstes Wasser fasse ich an Well 3. Geschmacklich okay, jedoch eine Farbe, wie guter starker Schwarztee :-) Und an einer sehr steinigen, trockenen Flussdurchquerung reiße ich mir den Hinterreifen an der Seitenwand auf. Aber durch Annie kurz auf die Seite legen, dichtet die Latexmilch meine Getto Tubeless Zauberreifen wieder ab :-)

 

 

Ich treffe im Schnitt ca. 2-3 Gruppen 4 WD-ler und Motorradler jeden Tag am Track. Immer wird gehalten und geplaudert: Annie, Bambus, Wasser und Trackbeschaffenheit gen Norden. Die Truppe, die ich in Windich Springs treffe, sollte jedoch etwas besonderes werden. Sie kennen die CSR seit Jahrzehnten wie die eigene Westentasche und restaurieren die Jahre über immer wieder Brunnen. Herrliche Geschichten werden am Lagerfeuer erzählt und ich erhalte genaue Beschreibungen zur Track- und Wasserqualität. Was brauch ich mehr?!

 

Und dann kommt, was kommen musste! Well 6 bekomme ich von Shane, der die CSR per Motorrad und Support Vehicle bestreite, ein Käse-Butter-Brot angeboten! Ich werfe das Vorhaben, 100% autark zu fahren dankend über Bord und beisse zu! 99% autark aber frisch gestärkt ziehe ich meine Spur in den Sand und werde prompt von 11 Farmern, die mit Motorrädern und 3 Support-Vehicle unterwegs sind, zum BBQ eingeladen. Lecker Essen, Lagerfeuer, gute Gespräche, kaltes Bierchen und morgens Café und Porridge ... fast besser als ein Pauschalurlaub. So waren es nur noch 98% autark :-) Die Jungs sagen noch, sie werden alle am Track überreden mich abzufüttern. "Du wirst der erste autarke Radfahrer in der Geschichte der CSR sein, der Halls Creek mit mehr Essen in den Taschen erreichen wird, als er Wiluna verlassen hatte!" Super!!!

 

 

Ab Well 9 geht es zügig auf die "Little Sandy Desert" zu, doch erstmal passiere ich den "Lake Aerodrom". Diese Salzsee faszinieren mich so sehr! Erst recht, wenn du über die letzte Düne kommst und den See das erste mal siehst. Es rührte mich so sehr, dass mir drei Freudentränen kommen und ich kreuz und quer mit Annie über den Salzsee kurven muss. Solang, bis der Farradkette die Traenen kommen ;-) Die erste zerwühlte Düne nach dem See trocknet aber auch die letzte Träne, zumal eine Horde Kamele den Track komplett zertrampelt hat. Doch wieder mal bewährt sich meine super Schiebe-, Tragetechnik ;-) Auf Höhe Sattelstütze habe ich einen Spanngurt mit Schulterpolster befestigt. Muss ich schieben, steige ich ab, drehe den Lenker auf rechts, damit Annie nicht wegrollt und werfe mir mit einer Hand den Tragegurt über den Kopf auf die Schulter und stapfe los. Das ganze ist so balanciert und mit einer Hand einstellbar, dass ich Annie in fast jedem Gelände mit meinen Beinen ausheben kann und meine Arme nur zum Geradehalten des Lenkers benutze ;-) So kämpfe ich mich mit Annie über die Dünen weiter bis zu Well 12 zum Wasser fassen.

 

 

Mit neuer Wasserladung muss ich erstmal wieder fahren lernen :-) Dann begegne ich einer Gruppe Ranger mit Aboriginals von Wiluna. Auch ein mir Bekannter vom Lagerfeuer Kangaroo BBQ aus Wiluna ist dabei :-) Sie sind unter anderem auch zum Bilby suchen rausgefahren. Ich habe leider keines zu Gesicht bekommen aber glaube die Nester gesehen zu haben.

 

Am Track komme ich immer besser mit dem Sand zurecht und habe erstaunliche Traktion an den Dünen. Kommt einfach daher, dass ich mit immer weniger Luft die Reifen auf das ärgste quäle :-) Wir reden da von bis zu 7psi vorn und 9psi hinten!!! Das sind ca. 0.5 und 0.8 bar und das ist mal verdammt wenig an Reifendruck. Aber aufgepumpt wird erst, wenn ich drei Felgendurchschläege in Folge habe, wobei ich sehr vorsichtig und vorausschauend fahre!!! Morgens pump ich auch meistens etwas auf, weil mir meine Getto Tubeless Zauberreifen leid tun. Doch es dauert meist nicht lange im Wellblechpistensand und ich reduziere wieder. Dabei schau ich mit Tränen in den Augen die Reifen an und sage: "Hey Buddy, einer von uns beiden wird wohl hier draußen sterben müssen! Und das werde nicht ich sein ;-)" oder "Mein Hintern oder du werden diese Hölle nicht überstehen!? Hintern hab ich nur einen, von dir hab ich noch zwei Freunde im Gepäck - verdikt!!! ;-)"

 

Und dann das Unglaubliche am Well 15! Ein einzigartiges CSR Erlebnis!!! CSR Well Diving und Outback Badewanne :-) Ich bleibe den Nachmittag in wunderbar netter und guter Gesellschaft. Und obendrein werde ich am Abend noch bekocht :-) So waren es nur noch 97% autark aber gut  gestärkt, sauber und ausgeruht schaffe ich den nächsten Tag satte 79 km bis Durba Spring, wo ich eigendlich den ersten Ruhetag geplant habe.

 

Es ist so faszinierend, was es da draußen für eine zauberhafte Tierwelt hat! - Unglaublich!!!

 

In Durba Spring reite ich mit Annie in der Dämmerung bei Jubel und Applaus ein :-) Neben der Well 15 Truppe sind noch eine große Ranger Gruppe mit Aboriginals zum Tierwelt (auch Bilbys) beobachten und kontrolliert Buschbrand legen, sowie ein Paar 4WD-ler am Camp. Alle wollen Annie sehen und können es nicht fassen, wie ich hier draußen vorwärts komme. Die 4 WD-ler sind im Schnitt mit 20-25 km/h unterwegs und machen um die 120-150 km am Tag. Bis Durba waren es für mich und Annie 532 km in 6 und 2 halben Tagen. Das ergibt unglaubliche 76 km am Tag bei einem Durchschnitt von 13.86 km/h :-) Welten schneller wie erwartet und ich kann es selber kaum glauben!

 

Ich schließe mich wieder der Well 15 Truppe an und geniesse die warmherzige, familiäre Gesellschaft :-) Vom Koch der Ranger bekomme ich am Morgen Orangen, Zwiebeln, Knoblauch, Dosenfleisch und Fladenbrot geschenkt, was nur noch von Angelas Pfandkuchen mit Marmelade am Abend getoppt wird - so waren es nur noch 96% autark :-)

Ich gehe tagsüber mit der Well-15-Truppe auf eine Wanderung und wir lauschen den Bäumen beim trinken und ich klettere mit Leon bis zum Ende der Schlucht und wir laufen über das Plateau zurück. Wir tauschen spannende Geschichten aus und lesen Tierspuren im Sand :-) Zurück im Camp hat Annie hinten keine Luft mehr aber mit etwas Aufpumpen und auf die Seite legen dichtet die Latex Milch meine Getto Tubeless Zauberreifen wieder. Wie ich die Operation durchführe, kommt ein Ranger dazu. Ich erkläre ihm kurz meine Zauberreifen-Selbstreparatur und er zeigt mit dem Finger auf den frischen Latex Pimpel drauf "Der da?" und mit der Berührung es macht es auch "zisch" und ich sage "ja, der da". Wir müssen beide lachen und ich beginne die Operation erneut erfolgreich! Ich bekomme noch 1/4 Liter Latex Milch in einer Cacao Flasche :-) zur Sicherheit mit auf den Weg, falls ich schneller nachfüllen muss, als es herausrinnt :-) Habe ich aber zum Glueck nicht gebraucht, war aber ein beruhigendes Gefuehl ;-) Angela nimmt mich noch mütterlich ins Gebet und legt mir ans Herz: "Es ist keine Schande, im trockenen Norden, Wasser von anderen zu bekommen! Schäme dich nicht, nimm es dankbar an! Bitte Junge!!!" Ein riesen Dankeschön an dieser Stelle der Well 15 Truppe :-) War eine echt schöne Zeit!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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