Invercargill – Doubtful Sound und über die Berge in die Unterwelt

March 14, 2016

Mein Fjordland! Diesmal fällt es mir wirklich schwer, die beeindruckenden Erlebnisse der letzten Tage in Worte zu fassen! So kontrastreich und emotional bewegend war der Weg durch die urige Landschaft von Fjordland. 5 Tage ohne Annie waren schon eine Herausforderung! Und dann meistern wir gleich, zum freudigen Wiedersehen, wohl eine der extremsten Routen die wir je angegangen sind. Und weil es so schön war verlasse ich Annie wieder und begebe mich allein in die Unterwelt!

Aber mal der Reihe nach!

 

Kajak paddeln und der Doubthful Sound.

Was soll ich sagen? Nette Truppe, WAHNSINNS LANDSCHAFT, ohne Annie alles Schei…!?

Spaß bei Seite! Wir waren 7 Teilnehmer und der Reiseleiter. Als individuell Reisender Radler ist nach fast 5 Monaten, so viel sozialer Kontakt und das in einer geführten Reise erst mal ein kleiner Kultur Schock! Aber es war echt gut! Das Team war bunt gemischt und sehr interessant! Gegenseitige Hilfe und Achtsamkeit waren groß geschrieben und es gab auch viel Zeit für interessante, nette Gespräche und lustige Unterhaltung. Wir paddeln jeden Tag so um die 30 km in zweier Kajaks und jeden Abend wird das Camp in einer anderen Ecke des Fjords gemeinsam aufgebaut. Es kocht zwar jeder für sich seine eigene mitgebrachte Esserei aber das sorgt für viel Gesprächsstoff und lustige Unterhaltung. Ich möchte hier nicht über jeden Teilnehmer ein Portrait abgeben aber ein paar Worte zu meinem neuen Freund Philipp muss ich los werden. Wir teilen uns Kajak und Zelt - 5 Tage und 4 Nächte! Philipp ist fast 50 Jahre, Franzose und lebt seit über 20 Jahren in Madagaskar. Dort hat er ein paar Bungalows am Meer und ein kleines Hotel in der Hauptstadt. 3 Monate im Jahr ist er nicht zu Hause, sondern auf Reisen in der ganzen Welt. Wenn das Geld knapp ist, ist er ohne seine Frau Unterwegs ;-) Die treffendste Beschreibung für ihn ist: Mr. Bean aus Frankreich. Seine Sprüche und sein Habitus sind einfach nur lustig und liebenswert! Und wir ergänzen uns super im Humor. Fast wie gesucht und gefunden! Wir verbringen eine echt gute Zeit. Schon beim Briefing, sagt er nach dem ersten Satz: „Wait! Wait! Always say twice!“ Das hat dann zur Folge, das alle oft mit Echo sprechen :-) Wie wir los paddeln hat er fast doppelte Schlagzahl und ich Frage: „Please, Please, half speed speed!“ Seine Antwort ist nur: „That's my Style!“. Darauf hin mach ich ihn noch darauf aufmerksam, das er sein Paddel verkehrt herum hält und er antwortet erneut mit: „That's my Style!“ Es vergeht kein Abend, wo nicht seine Zwiebeln in der Pfanne anbrennen während er sich die Finger beim Nudel Wasser abgießen verbrüht :-) Er sorgt einfach für lustige Stimmung in einer sehr liebenswerten Art. Wie der erste größere Wind aufkommt, steuert er auf das offene Wasser zu, damit wir die steife Brise direkt von hinten bekommen, während die anderen Schutz in Ufernähe suchen. Wie wir die anderen fast mit doppelten Tempo überholen legt er das Paddel über die Schultern und ruft laut und glücklich von ganzem Herzen: „We fly! We fly!“ Ich bemerke wie trotz des Windes bei der fehlenden Paddelei immer mehr Sandfliegen sich zu uns gesellen und ruft laut und unglücklich von ganzem Herzen: „We Sandfly! We Sandfly!“ Die Anderen fallen fast aus den Kajaks vor Lachen :-) Wir waren echt ein super Team!

Insgesamt hatten wir echt Glück mit dem Wetter. 2 Tage Sonnenschein und kaum, 1 Tag gemischt und nur 2 Tage mit Regen und starkem Wind. Wetterlage und Lagebericht wurden täglich, abends per Funk mit der Basis abgeklärt. Durch den Regen in den letzten Tagen sind die Wasserfälle gut gefüllt und so was von spektakulär! Wir paddeln mit Delfinen, sehen eine Robbe beim Mittagsschlaf und am letzten Tag auch noch 2 Pinguine, die sich vor dem Unwetter auf einer kleinen Insel verstecken. Und immer wieder detaillierte Erklärungen zu Flora, Fauna, geologischer Entstehung und Entdeckungsgeschichte durch unseren Reiseführer. Dankeschön! Was will Mensch mehr?! Sensationelles Erlebnis und sehr professionelle Reiseleitung!

Wilmot Rd - Percy Pass und Borland Rd

Ich hatte das Paddeln mit der Bedingung gebucht, das ich vom Doubtful Sound ab radeln kann. Und dieser Wunsch wurde mir erfüllt :-) Am letzten Tag wurde Annie samt Gepäck per Bus und Boot aus Te Anau nach Deep Cove gebracht. Wie nach der Verabschiedung alle in den Bus steigen, setzte ich mich bei Regen auf Annie und befahre die teuerste Straße Neuseeland per Muskelkraft. Die Wilmot Road wurde für die Errichtung und Wartung des Wasserkraftwerkes, welches eine Aluminium Hütte nahe Invercargill speist, zwischen Lake Manapouri und dem Doubtful Sound (187hm Differenz) gebaut. (Supi Schachtelsatz ;-) Die Straße kostete damals ca. 2 $ pro cm und ist nicht an das Straßennetz angeschlossen aber dazu später mehr beim Percy Pass. Sie wird heute hauptsächlich genutzt und finanziert durch die Touristen, die mit der Fähre über den Lake Manapouri kommen. Von Deep Cove sind es ca. 9 km und 672 hm bis zum Pass und ca. 4 km mit 20% Steigung laut Busfahrer, der es mir nicht glauben will, das ich nicht in den Bus einsteige will. Wie ich bei Regen und Kälte Annie den Berg hinauf pedaliere, werde ich doch ernsthaft von einem Buschhuhn überholt!? Das war dann auch das letzte Foto für den Tag und es gibt kein „Passbild“. Oben hat es einen Wolkenbruch und Gewitter. In der Abfahrt saufe ich total ab und erreiche pudelnass die West Arm Hut. Leider ohne Ofen und Schlafsack ist nass! So schlafe ich in allen noch trockenen Sachen aber glücklich nach einem deftigen Essen ein. Am nächsten morgen Sonnenschein und ich versuche meine Sachen weitestgehend zu trocknen.

 

Percy Pass

Weil das Sachen trocknen etwas dauert, breche ich erst Mittags auf und erreiche den Percy Pass gegen 15:00 Uhr. Es geht auf 1100 Meter und die teils in den Berg geschlagene Straße hat oft über 20% Steigung. Aber Wetter und Aussicht ist bombig! Die Straße wurde zur Errichtung der Strommasten gebaut und dient nur zur Wartung. Somit stehe ich am Pass und es gibt keine Straße zwischen den Masten am Pass und den nächsten Masten unten im Tal. 2,5km und 300hm Steilhang und Urwald. Ausgeschildert als MTB schwierigster Grad. Normal dauert diese Kletterei mit Rad auf der Schulter eine gute Stunde. Ich brauche fast 4 Stunden. Ich gehe das Stück über 3 mal. Einmal mit Rad und Rucksack und wieder retour für die 4 Fahrradtaschen (Fronttaschen über die Schultern auf Brust und Rücken geschnallt und in jeder Hand eine Hintertasche die mir als „Wanderstöcke“ dienen. Teils ist es so unwegsam, das ich nur mit Fahrrad oder Rucksack oder nur 2 umgehangenen Fahrradtaschen durch komme. Eine echte Plackerei aber auch ein echtes Abenteuer. So gut wie an diesem Abend hat das Essen selten geschmeckt ;-)

 

Am nächsten morgen, geht es weiter ins Tal in Richtung Borland Road. Die Straße ist teils so ausgewaschen, das ich in Summe ca. 2 km abwärts schiebe. Ist das dann Vernunft? Egal ;-)

 

 

Borland Road

Die Borland Road führt vom Lake Manapouri South Arm zur Southern Scenic Road entlang der Strommasten durch ein langes Tal mit immer wieder auf und ab und über den Borland Sattel mit 990hm. Es setzt zwar im laufe des Tages wieder Regen ein und in der folgenden Nacht fällt das Thermometer auf unter 0 Grad aber ich finde Schutz im Borland Biwak. War am nächsten morgen echt schwer aus dem warmen und mittlerweile trocknen Schlafsack zu schlüpfen aber ein „Guten Morgen! - Café“ war dann doch zu verlockend. Es ging die letzten Höhenmeter rauf zum Sattel und ich werde mit einem spektakulärem Regenbogen belohnt. Dann gab es wieder mal einen Lobgesang der Gravitation und es wurde die potenzielle Energie von 900 hm auf 16 km in Fahrtwind umgewandelt :-) Im Tal hatte es auch wieder 20 Grad und Sonnenschein.

Southern Scenic Route

Des waren mal eben seit dem Paddel im Douptful Sound ca. 70 Kilometer mit über 3500 Höhenmeter Auf und Ab ein mega Spaß der Spitzenklasse. So ist die malerische Landschaft entlang der Southern Scenic Road eine willkommene Abwechslung und Entspannung. Auf nach Clifden mit seiner historischen Hängebrücke.

Nahe Clifden mache ich einen Tagesausflug in die Unterwelt der Clifden Caves. Welch bizarre Umgebung – bezaubernd, still und sehr dunkel - Einfach ohne Worte!

Mit einem Abstecher in den Urwald zum Big Totara Tree und einem Abstecher zur Monky Island, rollt es nach Invercargill bei starkem Rückenwind fast von selbst. In Invercargill besuche ich Dennis. Denis hatte ich nahe Cromwell kennen gelernt und er hat mich nach Invercargill eingeladen. Er ist gerade am Renovieren und ich helfe natürlich gern. So gabt es beim Malern und BBQ, nette sehr interessante Gespräche. Am Sonntag begleite ich Dennis mit in die Kirche. Mein erster Kirchenbesuch wo Schlagzeug gespielt wird. Danach werden wir von der sehr lieben, netten Oma Tess zum Essen eingeladen und jetzt habe ich eine kleine Reise Bibel :-)

 

In Invercargill hatte ich die Tag eine echt gute Zeit die Abenteuer von Fjordland Revue passieren zu lassen und an der weiteren Route zu planen (Visa Antrag für's Outback). Mal schauen was kommt!?

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